Kuba erklärt · Demografie

Wie viele Einwohner hat Kuba?

Es gibt drei belastbare Antworten, und zwischen ihnen liegen zwei Millionen Menschen. Wer eine einzelne Zahl sucht, bekommt sie hier — interessanter ist jedoch, warum die Quellen so weit auseinanderliegen. Die Differenz ist kein Rundungsfehler, sondern ein Methodenunterschied: ein Melderegister, ein Fortschreibungsmodell und eine unabhängige Schätzung messen bei einer plötzlichen Massenauswanderung schlicht nicht dasselbe.

Einwohner zum Jahresende 2025

9.434.593

ONEI — Nationales Amt für Statistik und Information

Das amtliche Jahr

Ein Jahr zuvor
9.748.007
Rückgang in zwölf Monaten
−313.414
Wachstumsrate
-32,7 ‰
Medianalter
43,0

Drei Zählungen — und was jede misst

Es handelt sich nicht um drei Schätzungen derselben Größe. Jede Quelle beantwortet eine etwas andere Frage, weshalb der Vergleich mehr erklärt als jede Einzelzahl.

  1. ONEI — das amtliche Register
    9.434.593 · 2025

    Die zum 31. Dezember gemeldete Wohnbevölkerung. Fortzüge mindern den Bestand erst, wenn sie registriert sind; wer ausgereist ist, sich aber nicht abgemeldet hat, zählt weiterhin mit. Auf diese Zahl stützen sich der kubanische Staat und die meisten internationalen Organisationen.

  2. Das Modell des World Factbook
    10.059.519 · 2025

    Eine Fortschreibung auf Basis früherer Zensusdaten und unterstellter Raten. Solche Modelle bilden plötzliche Schocks verzögert ab, und die Auswanderungswelle nach 2021 war genau das — daher liegt der Wert deutlich über der kubanischen Zählung. Es ist die Zahl, die unsere Almanach-Seite wiedergibt, weil sie das Factbook unverändert übernimmt.

  3. Die unabhängige Schätzung
    8.025.624 · 2024

    Der kubanische Demograf Juan Carlos Albizu-Campos hat für Ende 2024 einen deutlich niedrigeren Wert veröffentlicht, mit dem Argument, das Register habe die Fortzüge noch nicht nachvollzogen. Es ist eine publizierte, begründete Schätzung und markiert die Untergrenze des plausiblen Bereichs.

Was in einem einzigen Jahr geschah

Zwei Kräfte wirken gleichzeitig in dieselbe Richtung, was den Rückgang so steil macht: massenhafte Abwanderung und eine verbleibende Bevölkerung, die sich nicht mehr reproduziert. 2025 lag die Zahl der Sterbefälle bei nahezu dem Doppelten der Geburten.

Geburten
68.064
Sterbefälle
136.214
Natürlicher Saldo
−68.150
Wanderungssaldo
−245.264

Die älteste Bevölkerung der Region

Mehr als ein Viertel der Kubanerinnen und Kubaner ist sechzig Jahre oder älter — der höchste Anteil in Lateinamerika und der Karibik — und das Medianalter liegt bei dreiundvierzig. Die zusammengefasste Geburtenziffer ist unter 1,3 Kinder je Frau gefallen, weit unter dem Bestandserhaltungsniveau von etwa 2,1 und nach kubanischer Rechnung der niedrigste Wert seit 1958. Eine solche Alterung lässt sich kurzfristig nicht korrigieren: Die Frauen, die diese Kinder bekommen müssten, sind überproportional bereits ausgewandert.

Warum sich die Zahlen bewegen

  1. 1
    Die Abwanderung dominiert

    Der Wanderungssaldo erklärt rund vier Fünftel des jährlichen Verlusts. Das Ausmaß ist ohne modernes Vorbild — in einem einzigen Jahr mehr als Mariel und die Balsero-Krise von 1994 zusammen — und geht auf die Wirtschaftskrise, die Stromausfälle und den Verfall der Reallöhne zurück.

  2. 2
    Die Geburten sind eingebrochen

    Kuba verzeichnete 2025 weniger Geburten als in irgendeinem Jahr der jüngeren Geschichte. Kubanische Medien weisen darauf hin, dass der Wert sogar unter dem von 1899 liegt, als die Insel mit einem Bruchteil der heutigen Bevölkerung aus dem Unabhängigkeitskrieg kam — ein Vergleich, der als Bild taugt, nicht als gleichwertige Statistik.

  3. 3
    Die Sterbefälle bleiben hoch

    Eine alte Bevölkerung erzeugt fast mechanisch eine hohe Sterblichkeit. Mit über zweieinhalb Millionen Menschen jenseits der sechzig ist der Sterbeüberschuss ein struktureller Zustand und keine Episode.

  4. 4
    Das Register hinkt der Wirklichkeit hinterher

    Wer fortzieht, fällt erst mit der Registrierung aus der Statistik, und Auswanderung unter Krisenbedingungen hinterlässt selten saubere Akten. Das ist der Hauptgrund für die Spannweite der seriösen Schätzungen — und der Grund, die amtliche Zahl als Obergrenze zu lesen.

Was das vor Ort bedeutet

  • Ländliche Gemeinden und Kleinstädte leeren sich schneller als die Großstädte; Havannas Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt, obwohl die absolute Zahl sinkt.
  • Der Altersaufbau ist mit bloßem Auge sichtbar: auffällig viele ältere Menschen, auffällig wenige junge Erwachsene, denn gegangen ist vor allem die Gruppe der Zwanzig- bis Vierzigjährigen.
  • Eine für elf Millionen ausgelegte Infrastruktur versorgt heute neun — daher zusammengelegte Schulen, ausgedünnte Busverbindungen und unterbesetzte Polikliniken.
  • Für Reisende ist das nicht abstrakt: Der Mangel an Menschen im Erwerbsalter ist eine unmittelbare Ursache der Personal- und Versorgungsprobleme, die unsere Seiten zu Geld und Internet beschreiben.

Quellen

Frequently asked questions

Wie viele Einwohner hat Kuba?
Das kubanische Statistikamt verzeichnete zum Jahresende 2025 9.434.593 Einwohner. Das ist die amtliche Zahl. Andere seriöse Quellen nennen höhere und niedrigere Werte, weil sie dasselbe Land unterschiedlich messen.
Wächst oder schrumpft Kubas Bevölkerung?
Sie schrumpft deutlich. Allein 2025 verlor die Insel 313.414 Menschen, eine Rate von −32,7 je tausend Einwohner. Der Rückgang hält seit 2021 an und ist der stärkste in der modernen Geschichte des Landes.
Warum nennen verschiedene Quellen unterschiedliche Einwohnerzahlen?
Weil sie methodisch verschieden aufgebaut sind: Die kubanische Zählung ist ein Melderegister, das World Factbook veröffentlicht eine Fortschreibung, die plötzliche Abwanderung verzögert abbildet, und unabhängige Demografen halten das Register für nicht aktualisiert. Zwischen höchstem und niedrigstem Wert liegen rund zwei Millionen.
Warum sinkt die Bevölkerung Kubas?
Vor allem durch Auswanderung: 2025 ergab sich ein Wanderungssaldo von −245.264 Personen, etwa vier Fünftel des Gesamtrückgangs. Der Rest ist natürlich bedingt — 68.064 Geburten gegenüber 136.214 Sterbefällen.
Wie alt ist die kubanische Bevölkerung?
Das Medianalter beträgt 43 Jahre, und rund 26,7 % der Bevölkerung sind sechzig oder älter — der höchste Anteil in Lateinamerika und der Karibik. Die Geburtenziffer liegt bei 1,29 Kindern je Frau.
Wie viele Einwohner hatte Kuba vor dem Rückgang?
Ende 2020 waren es über elf Millionen. Nach den amtlichen Zahlen hat die Insel in fünf Jahren weit mehr als anderthalb Millionen Menschen verloren.
Warum steht auf der Almanach-Seite eine andere Zahl?
Weil jene Seite das World Factbook wiedergibt, dessen Schätzung für 2025 bei gut zehn Millionen liegt — etwa 625.000 über der kubanischen Zählung. Beide Werte erscheinen hier so, wie ihre Quellen sie veröffentlichen; diese Seite erklärt die Differenz, statt stillschweigend auszuwählen.

CubaAtlas ist ein unabhängiges, nicht kommerzielles Nachschlageprojekt. Bevölkerungszahlen werden so wiedergegeben und datiert, wie ihre Quellen sie veröffentlichen; wo seriöse Quellen sich widersprechen, zeigt diese Seite den Widerspruch, statt ihn aufzulösen.